Grenzerfahrungen

Grenzen. An diese stoße ich in den letzten Tagen regelmäßig. Und dies in den verschiedensten Arten und Weisen. Was ich gelernt habe? Sie zu überschreiten! Egal wie schmerzhaft es manchmal sein kann – es lohnt sich.

Viel ist passiert seit dem letzten Eintrag. Die Tage sind aufregend. Ich erfahre, sehe und denke viel. Habe das erste mal Zeit. Zeit, mich mit diversen Themen wirklich auseinander zu setzen. Themen, die ganz banal scheinen. Berufswahl, Vergangenheit, Zukunft, Freunde und Familie. Dies sind nur einige Themen, welche mich auf meinem Weg begleiten. Erlaubt es der Verkehr, höre ich beim fahren gerne Musik. Dies lenkt mich ab, gibt der Landschaft das gewisse Etwas und motiviert mich. Aktuell muss ich mich regelmäßig noch selbst dazu motivieren, Spaß am Radfahren zu haben. Auch Zelten oder am Abend keine Dusche zur Verfügung zu haben, stelle ich mir auf Dauer sehr anstrengend vor. Der Luxus der ersten Welt ist scheinbar sehr tief in mir verwurzelt und nur schwer zu brechen. Dömitz, Berlin, Dresden, Grenz-Überschreitung in die Tschechische Republik, Svinarov und Prag. Dies ist die Strecke, welche seit dem hinter mir liegt.

Ein Neuanfang

Aus Dömitz losgefahren, spürte ich eine große Aufregung in mir. Auch Ängste begleiteten mich auf dem Weg, nach Berlin. Ich war alleine. Nur ich und meine Gedanken. Diese Gedanken wurden oft zu Ängsten. Ich hatte Angst, meine Ängst zu fühlen. Durch die Ängste hatte ich das Gefühl, dass sich mein Blick für meine direkte Umwelt ziemlich verändert hat. Ich benötigte etwas Zeit, um meine Umgebung wieder so wahrnehmen zu können, wie es sein sollte. Ich benötigte Zeit, um wieder offen zu sein, für das, was um mich herum so geschah.

Berlin.

240 Kilometer sollten mich von der Hauptstadt trennen. Entlang der Elbe, später der Havel, benötigte ich zwei Tage um die Wohnung meiner Cousine zu erreichen. Diese persönliche Meisterleistung, auf welche ich nebenbei bemerkt immer noch Stolz bin, sollte mir aufzeigen, dass ich falsch gehandelt habe. Von Null auf Hundert. “Eine typische Nick Pinkenburg Aktion” – höre ich meine Mutter sagen. Die Fahrt nach Berlin sollte mir zeigen, dass meine Beine nicht für eine solche Belastung trainiert sind. Das Thema mit dem Training, hatte ich bereits erklärt – ich trainiere auf dem Weg!

Lektion #5: Wer trainiert, ist mir aus Prinzip unsympathisch.

Mein Fehler: Ich wollte die Zeit “einholen”, welche ich durch den Unfall “verlor”. Zu einem späteren Zeitpunkt dann, sollte ich die Quittung erhalten und der innere Konflikt folgen. All dies, zwang mich zu einem Schritt, welchen ich gerne vermieden hätte. Meine Meinung: Einen Fehler macht man erst dann, wenn man aus gesammelten Erfahrungswerten nichts zieht. Dieser Moment dann, hat mich lernen lassen.

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!

60 Kilometer vor Berlin, nahm ich einen sehr unangenehmen Schmerz in meiner rechten Kniescheibe wahr. Kurze Zeit später, dann auch in der linken. Beim Hochziehen der Knie, kam dieser Schmerz besonders zur Geltung. In diesem Fall hat die Vernunft verloren. Obwohl ich stechende Schmerzen hatte, setzte ich die Fahrt fort. Meine Motivation? Ein richtiges Bett und eine Dusche. Schon die Nacht zuvor, durfte ich irgendwo Zelten. Dies war erstmal genug Abenteuer für mich. Ich wollte eine Bett!
In Berlin angekommen, spürte ich, dass sich der Schmerz verschlimmerte. Nach einer Dusche, welche ich nicht wirklich genießen konnte, wurden die Schmerzen stetig schlimmer. Besonders schwer viel es mir in einem 90° Winkel zu sitzen. Ihr könnt euch ja vorstellen, wobei ich den meisten Schmerz verspürte.. Für die Tage in Berlin stand also das folgende Programm an: Ich nahm Schmerzmittel, legte viel Wert auf Ruhe und besuchte zweimal den Arzt. Ein Blutbild ergab, dass ich keine Mangelerscheinungen an B12, Magnesium oder Zink hatte. Eine Entzündung wurde auf Grund dessen also ausgeschlossen. Nach ungefähr 6 Tagen Pause, fuhr ich dann in Richtung Dresden weiter.

Lektion #6: Ibu regelt! Die richtige Einstellung deines Sattels kann auch helfen.

30 Kilometer sollte ich an diesem Tag fahren, um die Endgültige Quittung für mein Handeln zu kassieren. Während genau diesen 30 Kilometern, baute sich der Druck in meinen Kniescheiben stetig wieder auf. Ich steuerte also den nächsten Bahnhof an. Mit dem nächsten Zug sollte es nach Dresden gehen. Der Plan war, einen Facharzt aufzusuchen. Zwei Tages-Etappen und rund 30 Euro. Dies waren die Kosten für die Zugfahrt. Auch mein Ego musste ich überwinden. Dies war bei allem das wohl Schwierigste. Zug fahren. Denn genau dies wollte ich vermeiden!

Es ist schon Wahnsinn. Zwei Tage hätte ich mit dem Rad nach Dresden benötigt. Mit dem Zug gerade einmal 1,5 Stunden.

Lektion #7: Wertschätzung von Verkehrsmitteln

Ziele und Enttäuschungen

Stellt diese Reise nun noch das dar, was sie darstellen sollte? Mit dem Rad nach Indien? Ich habe den Zug genommen. Definitiv aus gesundheitlichen Gründen doch nichts desto trotz – ich bin Zug gefahren, was ich vermeiden wollte. Ich persönlich muss gestehen, dass ich froh über meine Entscheidung bin. Endlich habe ich auf meinen Körper gehört und den selben Fehler nicht noch einmal gemacht. Heißt, dass ich gelernt habe. Dies macht mich froh und ich kann meine Reise fortführen! Lieber einen Schritt zurück und zwei nach vorne, anstatt zwei Schritte nach hinten und einen nach vorne. Generell macht es mich froh, dass ich meine Reise immer mehr von dem Projekt “Brunnenbau” trennen und als eigenes Paar-Schuhe betrachten kann. Eine Reise, die ich bestimme. Die erste Zeit meines Lebens, die ich frei bin. Frei von allen Zwängen. Ich mache, wonach ich mich fühle. Fühle ich etwas nicht oder fühle ich mich unsicher, lass ich es. Ich bin der, der bestimmt und das ist gut so!

Wie kommt man am schnellsten nach Dresden?

In Dresden angekommen, saß ich also am Gleis und hielt Ausschau nach einem Platz, wo ich die Nacht verbringen kann. Meiner Meinung nach, gestaltet sich das Finden von Schlafplätzen in Großstädten eher schwierig. Beim Zelten ist es eigentlich egal wo man sich befindet. Ich suche mir gerne Plätze hinter Bäumen oder Büschen. Dort fühle ich mich am sichersten. Meine Misserfolge mit Angeboten aus dem Internet, verbuche ich wohl auch deswegen, weil ich mich um diese Optionen immer sehr spontan und auf den letzten Drücker kümmere. In diesem Fall aber, dauerte es nicht lange und ich fand einen Platz zum schlafen. Eine Wohngemeinschaft in der äußeren Neustadt Dresdens nahm mich auf. Ein Bett, gebaut aus Paletten, sollte für die nächsten zwei Nächte mein zuhause sein. Auf Anhieb verstand ich mich mit den beiden Bewohnerinnen der WG. Ich fühlte mich wohl und gut aufgehoben.

Sich wohlfühlen ist ein wichtiges Thema wie ich finde. Nichts ist schöner als sich wohl zu fühlen. Besonders in fremden Städten, Ländern und mit Menschen, die man nicht kennt.

Lektion #8; eine Wichtige: Schaffe den Raum, dass sich andere Menschen wohlfühlen. Sie werden es dir danken.

Am zweiten Abend in Dresden, gingen wir auf eine Veranstaltung in Bezug auf die anstehenden Sachsen-Wahlen 2019. Fünf Abgeordnete aus fünf verschiedenen Parteien, standen den Bürgern für knapp zwei Stunden Rede und Antwort. Bei dem ein oder anderen lief es auf mehr Rede und weniger Antwort hinaus. Naja, wie dem auch sei. Ein Erlebnis ist mir im Kopf geblieben. Dieses möchte ich in einem kurzen Exkurs mit Euch teilen.

Ein Mann, Architekt, geschätzt Ende 40, Anfang 50 Jahre alt, erhob sich aus der Menge. Ganz hinten stand er also – wo auch sonst. Er führte seine Frage zum Thema Wohnraummangel aus. Dies tat er ungefähr wie folgt:

” Im Jahre 2015 hat sich etwas in Deutschland zugetragen. Seit 2015 haben wir Mangel an Wohnraum. Kann man die Flüchtlinge nicht einfach wieder in ihre Herkunftsländer abtransportieren?!” Das schlimmste am Ganzen – es gab Beifall. Bestätigung für das, was dieser studierte Mensch von sich gegeben hat.

Ich möchte diese Aussage nun gar nicht groß analysieren. Für mich wäre dies bei all dem positiven was ich gerade erlebe, reine Zeitverschwendung. So ganz unkommentiert, kann ich es jedoch nicht stehen lassen.

Menschen, wie der erwähnte Herr, haben meiner Meinung nach schlichtweg kein Interesse an ernsthafter parlamentarischer Politik. Diese Menschen sind in meinen Augen nicht an einer Lösung interessiert. Noch dazu fehlt ihnen eine gewisse soziale Komponente. Sie denken nicht über das nach, was sie sagen und welche Folgen dies für andere Menschen haben könnte. Anscheinend hat dies auch nichts damit zu tun, ob man studiert hat oder nicht. Noch dazu möchte ich sagen, dass die AFD kein Problem ist, welches aus Sachsen oder “dem Osten” kommt bzw. nur dort anzutreffen ist. Menschen mit dieser Gesinnung gibt es Bundesweit. Ganz Deutschland ist hier betroffen und ganz Deutschland ist in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen! Schritt Nummer eins: Wir müssen aufhören “den Osten” als “den Osten” abzustempeln. Mittlerweile sollte jedem deutschen Staatsbürger bewusst sein, dass wir EIN LAND sind. Es gibt kein Ost und West mehr. Die AFD ist eine Partei, welche Hetze und Propaganda betreibt. Außerdem enthält die Partei ganz offensichtliche nationalsozialistische Strukturen. Wer immer noch glaubt, dass es eine seriöse Partei sei, liegt falsch!

Spendengelder für meinen Brunnen würde ich trotzdem nicht ablehnen.

An dieser Stelle nochmal ein großen Dank an das Asoziales-Netzwerk-Dresden! Aufgeben ist keine Option! Was ihr macht, ist Bärenstark und wichtig für das ganze Land. Dies ist der Weg, wie wir unsere Demokratie bewahren können! Keine Toleranz dem Rassismus! Danke, dass ich bei Euch unterkommen durfte!

Lektion #9: Rassismus ist kein deutsches Problem!

Nun bin ich auf der Suche nach einem passenden Übergang zurück zu meiner Geschichte… Ich versuche es mal so:

Zahnstocher

So in etwa, kann man sich meine Beine vorstellen. In Norddeutschland werden diese gelegentlich auch als “Kackstelzen” tituliert. Genau diese, sollten in der Sächsischen-Schweiz, das Zittern lernen.

In Norddeutschland ist es wie folgt. Alles was mehr als drei Höhenmeter misst, würde ich mit meinem friesischen Verständnis als Hügel bezeichnen. Was sind dann Berge? Alles was mehr als drei Höhenmeter überschreitet, würde ich sagen. Deswegen war der Weg von Dresden nach Svinarov eine wahre Herausforderung für mich. Und ich verspreche Euch, nicht nur einmal habe ich geflucht und ans aufhören gedacht. Stand jetzt, habe ich 4050 Höhenmeter überwunden. Und was soll ich sagen?

Lektion #10: 14% Gefälle – ich liebe dich!

Svinarov

Am 23.08.2019 habe ich also die erste Ländergrenze überquert. Dazu befinde ich mich das erste mal in der Tschechischen Republik. Nur im Norden Polens war ich zuvor gelegentlich schon gewesen. Auf Grund dessen, dass meine Großeltern an der Ostsee gewohnt haben, konnten mein Bruder und ich ganz einfach mit dem Rad nach Polen fahren. Bei Besuchen war klar, dass wir dies mindestens einmal machen mussten. Mit dem Klappfahrrad ging es dann also über die Straße auf den “Markt”. Zurück ging es dann oft über den Strand. Die Fahrräder stets dabei. Wieso, weshalb, warum? Dazu keine genaueren Informationen.

Ist das nun der Beginn des eigentlichen Abenteuers? Geht es nun richtig los? Für mich hat es sich nicht so angefühlt. Schon mit Beginn der Planungen und dem Auflösen meiner Wohnung in Oldenburg, startete ich diese Reise. Ich glaube sogar fest daran, dass das Auflösen meiner Wohnung das wohl spannendste und schwierigste Kapitel des ganzen war. Immerhin habe ich dort 6 Jahre gewohnt. Es war meine erste eigene Wohnung. Ein Ort, der mein zuhause wurde. Mit dem ich sehr viel verbinde und welcher Sicherheit für mich darstellte. Generell den Schritt zu wagen, alles “aufzugeben” wurde immer wieder kritisch betrachtet. Viele Kommentare habe ich hören müssen. Meinungen, nach denen ich nie gefragt habe, mitgeteilt bekommen. All die Sorgen von anderen Menschen wurden mir unfreiwillig aufgebunden. Ohne, dass diese Menschen drüber nachdachten, dass ich auch meine eigenen Sorgen habe und selbst nicht wissen kann, was passieren wird. Aber woher auch?

Ich lebe zum ersten mal. Genau wie jeder andere Mensch auch!

Für Svinarov, plante ich mich mit einer Freundin zu treffen. Es ist immer gut und für mich sehr wichtig, in Kontakt mit meinen Leuten aus der Heimat zu stehen. Leute, die mir wichtig sind und mit denen du das Erlebte teilen möchtest. Da ich einen Tag zu früh in Svinarov eingetroffen bin, zeltete ich eine Nacht auf einem Kinderspielplatz bevor ich am nächsten Morgen in die Unterkunft konnte, welche für ein paar Tage mein zuhause werden sollte. Ich wollte meinen Knien nochmal eine längere Pause von vier Nächten gönnen, bevor ich meine Reise in Richtung Ausschwitz fortsetzen sollte. Mit Freunden aus der Heimat zu schreiben, zu telefonieren oder sie sogar zu treffen, ist wahnsinnig schön und für mich extrem wichtig. Doch besonders nach diesem Treffen und dem kurzen Moment von Heimat, stürzte ich in ein sehr tiefes Loch. Ein Loch voller Dunkelheit und Trauer. Und es ist absolut nicht übertrieben wenn ich es so schreibe. So einsam, habe ich mich selten gefühlt.

Die Rettung

Am 31.08.2019 fühlte ich mich so alleine wie nie zuvor. Die letzten Tage waren sehr schön und ich verstand, dass meine Freunde trotzdem da sind. Nichts desto trotz – ich bin hier, in diesem Moment, alleine. Selbst die Musik half mir nicht weiter. Ich wollte nach Planany, um dort die Nacht zu verbringen. Leider verpasste ich die Abfahrt. Ich fuhr also weiter. Nach einem 70km langen Tag, erreichte ich ein kleines Dorf namens Blinka. Beim hereinfahren in dieses, nahm ich direkt als erstes einen sehr schönen Garten, ein schönes Haus und ein kleines Windspiel am Torbogen des Eingangs wahr. Dieses Windspiel sah aus, als wäre es von einem Kind gebastelt worden. Wie es das Leben so wollte, sollte ich in Blinka, in einem Dorf mit 30 Leuten, mein Glück finden. Gesteuert von meiner Traurigkeit und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, klopfte ich also am Gartentor mit dem Windspiel. Eine Frau öffnete die Tür. Ich erfragte die Möglichkeit für eine Nacht im Garten zu Zelten. Sofort sagte sie ja und verwies darauf, dass ihr Mann der englischen Sprache vertrauter sei, als sie selbst. Ca. eine Stunde nachdem ich am Tor geklopft habe, kehrte der Vater von der Arbeit zurück. Er stieg aus dem Auto und ich wusste einfach, dass wir uns verstehen werden. Bart, kurze Haare, eine sehr offene Art und Weise und das tragen einer Zunfthose, stellten ausreichend Argumente dafür dar, dass ich diesem Menschen vertrauen konnte.

Blinka. Ein Ort, an dem ich mich einfach heimisch fühlte. Zuvor haben mir Berlin und Prag erneut gezeigt, dass Großstädte auf Dauer zu hektisch für mich sind. Nicht, dass es mich stört, doch trifft man in Großstädten wie diesen, nach meinem Gefühl, auf sehr viele suchende Seelen. Ich könnte mir nicht vorstellen, dort auf Dauer mein Glück zu finden. Es gibt zu viele Dinge, welche mich am Leben in Großstädten wie diesen, hindern würden. Hier auf dem Land im Gegensatz, hat man Ruhe, Hühner und einen Trabant zum schrauben. Dies sind die Dinge, die sich für mich heimisch anfühlen und meiner persönlichen Definition von Glück, ganz nah kommen.

Aufgenommen wurde ich also von einer sehr liebenswerten Familie. Mutter, Vater und zwei Töchter. Noch dazu, wohnt die Oma, welche mich immer wieder auf Tschechisch versuchte anzusprechen, mir über den Arm streichelte und ständig lachte, im Haus. Die Töchter versuchten der Oma immer wieder zu erklären, dass ich kein Tschechisch verstehen und reden kann. Ich glaube auch, dass sie peinlich berührt waren, als die Oma mich erneut streichelte. Dies störte die alte Dame nicht. Sie erzählte mir weitere Geschichten, von denen ich nichts verstand. Ich lächelte und wiederholte das Wort “yes” gefühlte hundert mal. Gemeinsam mit den Töchtern, lachte ich häufig über diese Situationen.

Lektion #11: Babuschka! Zu deutsch: “Oma”

Am coolsten hier, ist wohl der Vater. Er liebt seine Töchter. Um dies sehen zu können, muss man der tschechischen Sprachen nicht vertraut sein. Man kann es fühlen. Gestern hatte ich die Ehre, ein Teil ihres Freitagabend-Rituales sein zu dürfen. Er und seine Töchter fahren jeden Freitag zum See. Dort gehen sie Schwimmen und starten ins Wochenende. Auf der Fahrt zum See wird die Musik im Auto auf Anschlag aufgedreht und klaro, die Fenster sind runtergerollt! Zu den Fahrkünsten des Vaters: Er hat definitiv schon mal ‘Need for Speed’ gespielt. Anders kann ich mir diese Künste nicht erklären. Und seit heute weiß ich, dass ich nicht zu schnell fahre!

Nach dem Baden geht es in die nahe gelegene Stadt Podebrady. Hier gibt es dann Eis, einen Spaziergang durch die Stadt und viele schöne kleine Momente. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, war der Moment, als mir eine der Töchter (9) anbot, von ihrem Eis zu probieren. Zum Abschluss gab es dann noch ein Bier in der Kneipe. Von diesem durften die Mädels auch mal probieren. Dies ist hier üblich in Tschechien.

Der Vater hat einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Er kochte, bereitete Frühstück zu, kümmerte sich um die Tiere, den Abwasch, war lustig, tiefsinnig und seinen Töchtern gegenüber stets positiv bestärkend. Ein echt cooler Typ, mit dem ich sehr viel geredet habe und an den ich mich definitiv erinnern werde. Erst vor kurzem, erzählte er mir, sah er eine Dokumentation über einen Rad-Reisenden und wünschte sich, dass dieser auch hier, in Blinka, vorbei käme. Einige Zeit später, passierte es. Hier sitze ich also. In seinem Garten. Philosophierend über das Leben und mit einem Bier in der Hand. Nach dem ein oder anderen Bier, wurde ich dann doch aufs Sofa verordert. Eigentlich wollte ich auf dem Trampolin schlafen, doch es herrschte gleich ein gewisses Grundvertrauen zwischen uns, was mich am nächsten Morgen dazu leitete, einen weiteren Tag bei der Familie zu bleiben.

Lektion #12: Daddy cool

Dass ich alleine bin, hatte ich nicht vergessen. Doch konnte ich das Gefühl von Einsamkeit für diese zwei Tage eintauschen. Ich konnte es eintauschen gegen das Bedürfnis, was ich zu diesem Zeitpunkt am dringendsten benötigte und was mich stärken sollte.

Lektion #13: Liebe

fair winds,

Nick

Comments

Ellen

Nice story to read Nick! After dark moments there will always be clarity. About the Czech family; it reminds me of our encounter in Ireland and the swim in Killarney! Enjoy those people! Love is all you need. #13 Liebe❤

Write a Reply or Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *